Mehrwertsteuer auf Kunstwerke

Aktualisiert am · Lesezeit 6 Min.

Für Kunstwerke gilt seit dem 1. Januar 2025 wieder einheitlich der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 % – egal, ob ein Gemälde vom Künstler selbst, von einer Galerie oder vom Kunsthandel verkauft wird. Händler können alternativ die Differenzbesteuerung mit 19 % auf die Marge nutzen, wenn sie das Werk ohne Umsatzsteuer erworben haben. Fotografien und die Vermietung von Kunst bleiben bei 19 %.

Kunstwerk: Netto in Brutto umrechnen

Rechenrichtung
Steuersatz
Nettobetrag5.000,00 €Mehrwertsteuer (7 %)350,00 €Bruttobetrag5.350,00 €

Das Wichtigste in Kürze

  • 7 % auf Lieferung, Einfuhr und innergemeinschaftlichen Erwerb von Kunstgegenständen nach Anlage 2 Nr. 53 UStG – seit 1.1.2025 auch für Galerien und Händler (Jahressteuergesetz 2024).
  • Begünstigt sind handgeschaffene Gemälde und Zeichnungen, Collagen, Originalstiche, -schnitte und -steindrucke sowie Originalskulpturen.
  • Differenzbesteuerung (§ 25a UStG): 19 % nur auf die Marge; ohne ermittelbaren Einkaufspreis gilt eine Pauschalmarge von 30 %.
  • 19 %: Vermietung von Kunst, Fotografien, Drucke und Poster, Provisionen von Vermittlern.
Inhalt
  1. Was gilt als Kunstgegenstand?
  2. Künstler und Händler: Was sich 2025 geändert hat
  3. Differenzbesteuerung und Pauschalmarge
  4. Kunst aus dem Ausland und Kunst als Geschenk
  5. Häufige Fragen
  6. Quellen

Was gilt als Kunstgegenstand?

Die Ermäßigung hängt nicht am künstlerischen Rang, sondern am Zolltarif. Anlage 2 Nr. 53 zum UStG nennt drei Gruppen:

Kunstgegenstände nach Anlage 2 Nr. 53 UStG
GruppeZolltarifBeispieleMwSt.
Gemälde und Zeichnungen, vollständig mit der Hand geschaffen; CollagenPosition 9701Ölbild, Aquarell, Pastell, Kohlezeichnung7 %
Originalstiche, -schnitte und -steindruckePosition 9702Radierung, Holzschnitt, Lithografie vom Originalstein7 %
Originalerzeugnisse der BildhauerkunstPosition 9703Bronze, Steinskulptur, Holzplastik7 %
Fotografien, Kunstdrucke, Poster, Gicléesnicht in Nr. 53signierter Fotoabzug, Offsetdruck19 %
Kunsthandwerk, Gebrauchsgegenständenicht in Nr. 53Keramikgeschirr, Schmuck, Möbel19 %

Industriell bemalte Gegenstände, Theaterkulissen und handbemalte Gebrauchsware gehören nicht zu Position 9701. Auch Sammlungsstücke (Anlage 2 Nr. 54) und Briefmarken als Sammlerstücke (Nr. 49 f) sind seit 2025 wieder mit 7 % begünstigt; Antiquitäten (Position 9706) dagegen nicht.

Fotografie: Fotografien stehen nicht in Anlage 2 Nr. 53. Der Verkauf eines Fotoabzugs ist deshalb mit 19 % zu versteuern – auch als signierte, limitierte Edition. Ermäßigt sein kann nur die Einräumung von Nutzungsrechten nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 c UStG, etwa wenn ein Fotograf einem Verlag Abdruckrechte überlässt.

Künstler und Händler: Was sich 2025 geändert hat

Von 2014 bis 2024 galt der ermäßigte Satz nur, wenn der Künstler selbst oder sein Rechtsnachfolger verkaufte (§ 12 Abs. 2 Nr. 13 UStG a. F.). Galerien und Kunsthändler mussten 19 % berechnen oder auf die Differenzbesteuerung ausweichen. Mit dem Jahressteuergesetz 2024 hat der Gesetzgeber diese Einschränkung aufgehoben: Seit dem 1. Januar 2025 ist jede Lieferung eines Kunstgegenstands nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ermäßigt. Das BMF hat die Einzelheiten mit Schreiben vom 18.12.2025 geregelt. Für Umsätze bis 31.12.2025 durften sich Unternehmer bereits auf dieses Schreiben berufen.

Verkäufer2014–2024seit 2025
Künstler (nicht Kleinunternehmer)7 %7 %
Kunsthändler, Galerie (Eigenhandel)19 % oder § 25a7 % oder § 25a
Auktionshaus im eigenen Namen19 % oder § 25a7 % oder § 25a
Vermietung eines Kunstwerks19 %19 %
Vermittlungsprovision einer Galerie19 %19 %

Künstler mit einem Umsatz bis 25.000 € im Vorjahr und 100.000 € im laufenden Jahr können die Kleinunternehmerregelung nutzen und stellen dann gar keine Umsatzsteuer in Rechnung. Was Künstler sonst beachten müssen, etwa bei Honoraren und Urheberrechten: Umsatzsteuer für Künstler.

Galerie als Kommissionär oder Vermittler

Verkauft eine Galerie im eigenen Namen auf Rechnung des Künstlers (Kommission), liegen umsatzsteuerlich zwei Lieferungen vor: vom Künstler an die Galerie und von der Galerie an den Käufer. Beide sind mit 7 % begünstigt. Tritt die Galerie dagegen nur als Vermittlerin im Namen des Künstlers auf, ist ihre Provision eine Dienstleistung mit 19 %.

Differenzbesteuerung und Pauschalmarge

Händler, die Kunst von Privatpersonen oder Kleinunternehmern ohne Umsatzsteuer kaufen, können nach § 25a UStG nur die Marge besteuern. Auf die Marge entfallen dann 19 %, denn § 25a Abs. 5 schreibt den Regelsatz vor. Lässt sich der Einkaufspreis eines Kunstgegenstands nicht ermitteln oder ist er unbedeutend, wird die Marge pauschal mit 30 % des Verkaufspreises angesetzt (§ 25a Abs. 3 Satz 2 UStG).

Neu seit 2025: Die Differenzbesteuerung ist ausgeschlossen, wenn auf den Einkauf des Händlers ein ermäßigter Steuersatz angewendet wurde (§ 25a Abs. 7 Nr. 1 Buchst. c UStG). Kauft eine Galerie also direkt beim Künstler mit 7 %, verkauft sie regulär mit 7 % weiter. Allgemeines zur Margenbesteuerung: Differenzbesteuerung nach § 25a UStG.

Rechenbeispiel: Welche Methode ist günstiger?

Ein Händler kauft ein Gemälde von einem privaten Sammler für 6.000 € und verkauft es für 10.700 € (Endpreis).

MethodeRechnungUmsatzsteuer
Regelbesteuerung 7 %10.700 € × 7 ÷ 107700,00 €
Differenzbesteuerung(10.700 € − 6.000 €) × 19 ÷ 119750,42 €
Pauschalmarge (falls Einkaufspreis unbekannt)10.700 € × 30 % × 19 ÷ 119512,52 €

Bei hoher Marge ist der ermäßigte Satz auf den vollen Preis oft günstiger als 19 % auf die Marge; bei kleiner Marge ist es umgekehrt. Händler können bei jeder Lieferung auf die Differenzbesteuerung verzichten (§ 25a Abs. 8 UStG). Unternehmerische Käufer bevorzugen die Regelbesteuerung, weil sie nur dann die Steuer als Vorsteuer abziehen können – bei der Differenzbesteuerung darf die Steuer auf der Rechnung nicht ausgewiesen werden.

Kunst aus dem Ausland und Kunst als Geschenk

Bei der Einfuhr aus Drittländern wie der Schweiz oder Großbritannien fällt Einfuhrumsatzsteuer von 7 % an. Beim Kauf von einem Unternehmer aus einem anderen EU-Staat erwerben Unternehmer innergemeinschaftlich und versteuern ebenfalls mit 7 %. Privatkäufer zahlen beim Kauf im EU-Ausland meist die Steuer des Verkäuferlandes; die Sätze für Kunst unterscheiden sich stark: Mehrwertsteuersätze in der EU.

Kauft ein Unternehmen Kunst für die Büroräume, ist die Vorsteuer grundsätzlich abziehbar. Bei Kunst als Geschenk an Geschäftspartner über 50 € netto entfällt der Vorsteuerabzug (§ 15 Abs. 1a UStG).

Häufige Fragen

Wie viel Mehrwertsteuer fällt auf Kunst an?

Auf Gemälde, Zeichnungen, Originalgrafiken und Skulpturen 7 %. Seit 2025 gilt das auch beim Kauf in der Galerie oder im Kunsthandel. Fotografien und Kunstdrucke kosten 19 %.

Gilt die Kunst-Mehrwertsteuer von 7 % auch für Galerien?

Ja, seit dem 1. Januar 2025. Davor war der ermäßigte Satz von 2014 bis 2024 auf Verkäufe durch den Künstler selbst beschränkt.

Was ist die Pauschalmarge bei Kunst?

Kann ein Händler den Einkaufspreis eines Kunstwerks nicht ermitteln, setzt er im Rahmen der Differenzbesteuerung 30 % des Verkaufspreises als Marge an und versteuert diese mit 19 %.

Welcher Steuersatz gilt für Fotografien?

19 %. Fotografien gehören nicht zu den Kunstgegenständen der Anlage 2 Nr. 53 UStG. Ermäßigt sein kann nur die Übertragung von Nutzungsrechten an einem Foto.

Quellen

  • § 12 Abs. 2 Nr. 1, 2 und 7 c UStG, Anlage 2 Nr. 53 und 54 zum UStG – gesetze-im-internet.de
  • § 25a UStG (Differenzbesteuerung), insbesondere Abs. 3, 7 und 8
  • Jahressteuergesetz 2024, BGBl. 2024 I Nr. 387
  • BMF-Schreiben vom 18.12.2025, III C 2 – S 7229/00011/002/010: (Wieder-)Einführung des ermäßigten Steuersatzes auf Kunstgegenstände und Sammlungsstücke zum 1. Januar 2025
  • Die Bundesregierung: Ermäßigter Steuersatz für Kunsthandel kommt ab 2025 (Pressemitteilung 2024)