Mehrwertsteuer-Erhöhung: Stand der Debatte
Kommt eine Mehrwertsteuer-Erhöhung? 2026 wurde in der Koalition so offen wie lange nicht über eine Anhebung des Regelsatzes diskutiert – im Gespräch waren 21 % oder mehr, kombiniert mit niedrigeren Sätzen auf Lebensmittel. Für 2027 ist eine Erhöhung nach Aussage des Finanzministers nicht eingeplant; für spätere Jahre ist sie nicht ausgeschlossen. Hier finden Sie den Stand der Debatte mit Datum und Quelle, einen Rechner für mögliche neue Sätze und die Geschichte aller bisherigen Erhöhungen.
Stand: Oktober 2026. Nach unserer Recherche ist keine Änderung des Regelsatzes von 19 % oder des ermäßigten Satzes von 7 % gesetzlich beschlossen. Die Einkommensteuerreform 2027, die das Kabinett am 2. September 2026 beschlossen hat, wird ohne Mehrwertsteuererhöhung finanziert. Alle hier genannten Mehrwertsteuer-Modelle sind Vorschläge oder Gegenstand von Medienberichten. Wir aktualisieren diese Seite, sobald sich daran etwas ändert.
Das Wichtigste in Kürze
- Aktuell gelten unverändert 19 % und 7 %; für Speisen in der Gastronomie seit 1.1.2026 dauerhaft 7 %.
- Diskutiert wurde im Frühjahr 2026 vor allem das Modell „21-10-0“: 21 % Regelsatz, 10 % ermäßigter Satz, 0 % auf Lebensmittel – als Gegenfinanzierung einer Einkommensteuerreform.
- Die Einkommensteuerreform 2027 (Kabinett, 2.9.2026) wird ohne Mehrwertsteuererhöhung finanziert; laut Finanzminister ist eine Erhöhung kein Bestandteil der Haushaltsplanung 2027.
- Bei 21 % statt 19 % würde ein Produkt für 119 € künftig 121 € kosten (+1,68 %).
Inhalt
Chronik der Debatte 2025/2026
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| April 2025 | Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD: keine Erhöhung der Mehrwertsteuer vorgesehen, Senkung auf 7 % für Speisen in der Gastronomie ab 2026 vereinbart. |
| Dezember 2025 | Bundestag und Bundesrat (19.12.2025) beschließen das Steueränderungsgesetz 2025 mit der dauerhaften Gastro-Senkung. |
| 24. März 2026 | Das Handelsblatt berichtet unter Berufung auf Regierungs- und Koalitionskreise, die Bundesregierung prüfe eine Anhebung um zwei bis drei Prozentpunkte – als Teil eines Pakets, das Einkommensteuer oder Sozialabgaben senkt. Das Bundesfinanzministerium erklärt, eine Erhöhung sei weder in der Diskussion noch Teil der Finanzplanung. |
| 27. März 2026 | Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil: „Zur Mehrwertsteuer kann ich heute nur sagen: Mein Weg ist es nicht.“ Unionsfraktionschef Jens Spahn bringt 0 % Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel als Teil eines Gesamtpakets ins Gespräch. |
| Mai 2026 | Medien berichten, dass das Modell „21-10-0“ bei einer Sitzung des Koalitionsausschusses am 12. Mai beraten wurde, teils mit Ziel 1. Januar 2027. Die Berichte über eine Einigung sind widersprüchlich; ein Gesetzentwurf wird nicht veröffentlicht. |
| Anfang Juli 2026 | Der Koalitionsausschuss beschließt ein Reformpaket mit Einkommensteuer-Entlastungen ab 2027 – ohne Mehrwertsteuererhöhung. Bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs 2027 (6. Juli) erklärt Finanzminister Klingbeil, eine Erhöhung sei kein Bestandteil der Haushaltsplanung 2027; eine Erhöhung in späteren Jahren schließt er nicht ausdrücklich aus. Zeitgleich berichten Medien über Überlegungen zu bis zu 22 % angesichts einer Haushaltslücke von rund 30 Milliarden Euro für 2028. |
| August 2026 | ifo-Präsident Clemens Fuest schlägt laut Medienberichten vor, den ermäßigten Satz abzuschaffen („19 % auf alles“); die SPD lehnt ab. |
| 2. September 2026 | Das Bundeskabinett beschließt das Einkommensteuerreformgesetz 2027 (rund 10 Milliarden Euro Entlastung pro Jahr). Zur Finanzierung wird unter anderem der Reichensteuersatz angepasst – die Mehrwertsteuer ist nicht Teil des Gesetzes. |
Die Positionen der Parteien und der Bundesregierung im Detail: Die Bundesregierung und die Mehrwertsteuer. Was für 2027 konkret bekannt ist: Mehrwertsteuer 2027.
Das Modell „21-10-0“ erklärt
| Bereich | heute | Modell | Wirkung pro Jahr* |
|---|---|---|---|
| Regelsatz | 19 % | 21 % | ca. +30 Mrd. € |
| Ermäßigter Satz (z. B. Bücher, ÖPNV, Hotel, Gastronomie) | 7 % | 10 % | ca. +3 Mrd. € |
| Lebensmittel | 7 % | 0 % | ca. −17 Mrd. € |
| Saldo | ca. +16 Mrd. € |
Ein Nullsatz für Lebensmittel ist nach EU-Recht seit der Reform der Mehrwertsteuer-Systemrichtlinie 2022 für bestimmte Grundgüter möglich. Anders als bei einer Steuerbefreiung behalten die Händler dabei ihren Vorsteuerabzug. Offen wäre, wie „Lebensmittel“ abgegrenzt würden – heute entscheidet darüber eine Liste von Zolltarifpositionen, die zu bekannten Kuriositäten führt (siehe kuriose Mehrwertsteuersätze). Zur Debatte: 0 % Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.
Was würde sich für Verbraucher ändern?
Wird eine Steuererhöhung vollständig weitergegeben, steigen Bruttopreise um den Faktor (1 + neuer Satz) ÷ (1 + alter Satz):
| Änderung | Faktor | Preis heute | Preis danach | Änderung |
|---|---|---|---|---|
| 19 % → 21 % | 1,0168 | 1.000,00 € | 1.016,81 € | +1,68 % |
| 19 % → 22 % | 1,0252 | 1.000,00 € | 1.025,21 € | +2,52 % |
| 7 % → 10 % | 1,0280 | 10,70 € | 11,00 € | +2,80 % |
| 7 % → 0 % | 0,9346 | 10,70 € | 10,00 € | −6,54 % |
Ob Preise tatsächlich so reagieren, ist eine empirische Frage. Nach der Erhöhung 2007 und der Senkung 2020 wurden Steueränderungen teils nur unvollständig weitergegeben, je nach Branche und Wettbewerb. Mehr: Mehrwertsteuer und Inflation. Ob eine Erhöhung Geringverdiener stärker belastet, beleuchtet Ist die Mehrwertsteuer sozial gerecht?
Argumente in der Debatte
Was Befürworter anführen
- Hohe Einnahmen: Nach Schätzungen des Bundesfinanzministeriums bringt jeder Prozentpunkt beim Regelsatz bis zu rund 16 Milliarden Euro im Jahr.
- Konsumsteuern gelten in der Forschung als weniger wachstumsschädlich als Steuern auf Arbeit und Gewinne; Ökonomen schlagen deshalb vor, Entlastungen bei Einkommen- und Unternehmensteuern über die Mehrwertsteuer zu finanzieren oder den ermäßigten Satz zu streichen.
- Deutschland liegt mit 19 % unter dem EU-Durchschnitt.
Was Kritiker anführen
- Haushalte mit geringem Einkommen geben einen größeren Teil ihres Einkommens für Konsum aus und werden relativ stärker belastet.
- Der Handel warnt vor Kaufzurückhaltung, Gastronomie und Hotellerie vor höheren Sätzen nach der gerade erst beschlossenen Senkung.
- Eine Erhöhung wirkt kurzfristig preistreibend und kann die Inflationsrate anheben.
Was Unternehmen bei einer Satzänderung beachten müssen
- Leistungszeitpunkt entscheidet: Maßgeblich ist, wann die Leistung ausgeführt wird – nicht Vertragsschluss, Rechnung oder Zahlung.
- Anzahlungen: Vor der Änderung vereinnahmte Anzahlungen werden in der Schlussrechnung mit dem neuen Satz nachversteuert. Siehe Anzahlungen und Umsatzsteuer.
- Dauerleistungen und Abonnements: Teilleistungen werden je Abrechnungszeitraum besteuert.
- Altverträge: Bei Verträgen, die mindestens vier Monate vor Inkrafttreten der Änderung geschlossen wurden, kann nach § 29 UStG ein Ausgleich verlangt werden, sofern nichts anderes vereinbart ist.
- Kassen, Shops, Preisauszeichnung: Rechtzeitig umstellen; gegenüber Verbrauchern gelten Bruttopreise (Preisangabenverordnung).
Alle Mehrwertsteuer-Erhöhungen seit 1968
| Datum | Regelsatz | ermäßigt | Hintergrund |
|---|---|---|---|
| 1.1.1968 | 10 % | 5 % | Einführung der Mehrwertsteuer |
| 1.7.1968 | 11 % | 5,5 % | erste Anhebung nach sechs Monaten |
| 1.1.1978 | 12 % | 6 % | Gegenfinanzierung von Steuerentlastungen |
| 1.7.1979 | 13 % | 6,5 % | Teil eines Steuerpakets mit Entlastungen an anderer Stelle |
| 1.7.1983 | 14 % | 7 % | Haushaltskonsolidierung |
| 1.1.1993 | 15 % | 7 % | Kosten der Deutschen Einheit, EU-Mindestsatz 15 % |
| 1.4.1998 | 16 % | 7 % | Stabilisierung der Rentenversicherung |
| 1.1.2007 | 19 % | 7 % | Haushaltskonsolidierung, Senkung der Arbeitslosenversicherung |
Die bisher größte Erhöhung um drei Prozentpunkte erfolgte 2007. Hintergründe: Mehrwertsteuererhöhung 2007. Die einzige allgemeine Senkung gab es befristet im zweiten Halbjahr 2020: Mehrwertsteuersenkung 2020.
Erhöhungen in Nachbarländern
Auch andere Staaten erhöhen ihre Sätze. Die Schweiz stimmt am 29. November 2026 über eine Anhebung des Normalsatzes von 8,1 % auf 8,5 % ab, frühestens ab 2028. In der EU haben zuletzt Estland (24 %, Juli 2025), Rumänien (21 %, August 2025), die Slowakei (23 %, 2025) und Finnland (25,5 %, September 2024) ihre Sätze angehoben. Österreich ging den umgekehrten Weg und senkte zum 1. Juli 2026 den Satz für Grundnahrungsmittel auf 4,9 %.
Häufige Fragen
Wird die Mehrwertsteuer 2027 erhöht?
Nach heutigem Stand nicht: Laut Finanzminister ist eine Erhöhung kein Bestandteil der Haushaltsplanung 2027, und die Einkommensteuerreform 2027 wird ohne Mehrwertsteuer finanziert. Im Frühjahr 2026 diskutierte Modelle wie „21-10-0“ sind nicht beschlossen. Es gelten weiterhin 19 % und 7 %.
Wie viel teurer würde ein Einkauf bei 21 % Mehrwertsteuer?
Bei vollständiger Weitergabe steigen Preise mit 19 % Steuer um 1,68 %. Aus 119,00 € werden 121,00 €.
Wann wurde die Mehrwertsteuer zuletzt erhöht?
Am 1. Januar 2007 von 16 % auf 19 %. Der ermäßigte Satz blieb bei 7 %.
Wie viel bringt ein Prozentpunkt mehr Mehrwertsteuer?
Nach Schätzungen des Bundesfinanzministeriums bis zu rund 16 Milliarden Euro pro Jahr beim Regelsatz.
Quellen
- Handelsblatt: „Haushalt: Bundesregierung prüft höhere Mehrwertsteuer“, 24.03.2026
- t-online: „Reformpaket: Lars Klingbeil (SPD) macht klare Ansage zur Mehrwertsteuer“, 28.03.2026
- KMLZ Umsatzsteuer-Newsletter 25/2026: „Reform of VAT in Germany? The new 21–10–0 formula“, 22.05.2026
- Stuttgarter Zeitung: „Erhöhung der Mehrwertsteuer – was sagt die Regierung dazu?“, 28.07.2026
- Bundesregierung: Einkommensteuerreform 2027, Kabinettsbeschluss vom 02.09.2026
- Bundesamt für Sozialversicherungen (Schweiz): Abstimmung zur Finanzierung der 13. AHV-Rente
- § 29 UStG (Umstellung langfristiger Verträge)