Mehrwertsteuer in Großbritannien

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Die Mehrwertsteuer in Großbritannien (VAT, Value Added Tax) beträgt 20 %, ermäßigt 5 % und für viele Grundbedarfsgüter 0 %. Seit dem Brexit ist das Vereinigte Königreich für die Umsatzsteuer Drittland: Einkäufe aus England kosten bei der Einfuhr deutsche Einfuhrumsatzsteuer, und eine VAT-Erstattung für Touristen gibt es in Großbritannien seit 2021 nicht mehr.

VAT-Rechner Großbritannien (20 %, 5 %, 0 %)

Rechenrichtung
Steuersatz
Nettobetrag100,00 €Mehrwertsteuer (20 %)20,00 €Bruttobetrag120,00 €

Das Wichtigste in Kürze

  • 20 % Normalsatz, 5 % z. B. auf Haushaltsenergie, 0 % auf die meisten Lebensmittel, Bücher und Kinderkleidung (Stand: Oktober 2026).
  • Seit 1.1.2021 ist Großbritannien Drittland: Waren aus England unterliegen in Deutschland der Einfuhrumsatzsteuer von 19 % bzw. 7 %.
  • Kein Tax-Free-Shopping mehr für Besucher in England, Schottland und Wales.
  • Nordirland folgt bei Waren weiterhin dem EU-Mehrwertsteuerrecht (Windsor-Rahmen).
Inhalt
  1. Mehrwertsteuersätze in England und dem Vereinigten Königreich
  2. Brexit-Folgen: Einkäufe aus England in Deutschland
  3. Kein Tax-Free-Shopping mehr in Großbritannien
  4. Nordirland: Sonderstatus nach dem Windsor-Rahmen
  5. Was deutsche Unternehmen beachten müssen
  6. Häufige Fragen
  7. Quellen

Mehrwertsteuersätze in England und dem Vereinigten Königreich

Die VAT gilt einheitlich in England, Schottland, Wales und Nordirland. Zuständig ist die Steuerbehörde HM Revenue & Customs (HMRC). Anders als in der EU darf das Vereinigte Königreich seit dem Brexit Nullsätze frei festlegen.

VAT-Sätze im Vereinigten Königreich, Stand: Oktober 2026.
SatzHöheBeispiele
Standard rate20 %die meisten Waren und Dienstleistungen, Restaurantessen, warme Speisen zum Mitnehmen, Alkohol, Kleidung für Erwachsene, seit 1.1.2025 auch Schulgeld privater Schulen
Reduced rate5 %Strom und Gas für Privathaushalte, Kindersitze fürs Auto, bestimmte Umbauten von Wohngebäuden
Zero rate0 %die meisten Lebensmittel, Bücher, Zeitungen und E-Books, Kinderkleidung und -schuhe, öffentlicher Personenverkehr, Menstruationsprodukte

Preise im britischen Einzelhandel sind wie in Deutschland Endpreise inklusive VAT. Ein Pullover für 120,00 £ enthält 20,00 £ VAT (120,00 £ × 20 ÷ 120); der Nettopreis beträgt 100,00 £. Wie Sie den Steueranteil aus beliebigen Preisen herausrechnen, zeigt Mehrwertsteuer rausrechnen. Unternehmen müssen sich in Großbritannien ab einem steuerpflichtigen Umsatz von 90.000 £ in zwölf Monaten registrieren (Schwelle seit 1. April 2024).

Brexit-Folgen: Einkäufe aus England in Deutschland

Bis Ende 2020 galten für Einkäufe in Großbritannien die Regeln des EU-Binnenmarkts. Seit dem 1. Januar 2021 ist jede Warenbewegung von Großbritannien nach Deutschland eine Einfuhr aus einem Drittland.

Reisegepäck

Waren für den persönlichen Bedarf bleiben bis zur Reisefreimenge abgabenfrei: 430 € bei Anreise per Flugzeug oder Schiff, 300 € auf dem Landweg, für Reisende unter 15 Jahren 175 €. Darüber hinaus erhebt der deutsche Zoll Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zoll. Für Alkohol und Tabak gelten eigene Mengengrenzen.

Online-Bestellungen

Bestellen Sie bei einem britischen Shop, fällt die deutsche Einfuhrumsatzsteuer ab dem ersten Euro an. Ist der Händler im Import-One-Stop-Shop (IOSS) registriert, berechnet er die deutsche Steuer schon beim Kauf (bis 150 € Warenwert). Sonst kassiert der Paketdienst die Steuer bei der Zustellung, oft zuzüglich einer Gebühr. Waren mit britischem Ursprung sind dank des Handels- und Kooperationsabkommens meist zollfrei – die Einfuhrumsatzsteuer bleibt.

Beispiel: Sie bestellen eine Jacke britischer Herkunft für 200,00 € (umgerechnet, ohne britische VAT, weil der Händler sie beim Export nicht berechnet). Der deutsche Zoll erhebt 19 % Einfuhrumsatzsteuer: 200,00 € × 0,19 = 38,00 €. Hat die Jacke keinen britischen Ursprung (etwa „Made in China“) und gilt ein Zollsatz von 12 %, kommen 24,00 € Zoll hinzu; die Einfuhrumsatzsteuer steigt dann auf (200,00 € + 24,00 €) × 0,19 = 42,56 €.

Mehr zu Kleinsendungen, IOSS und den seit Juli 2026 geltenden Pauschalzöllen: Mehrwertsteuer bei Bestellungen aus dem Ausland.

Kein Tax-Free-Shopping mehr in Großbritannien

Mit dem Brexit hat die britische Regierung das Retail Export Scheme abgeschafft. Seit dem 1. Januar 2021 erhalten internationale Besucher in England, Schottland und Wales die VAT beim Einkauf im Laden nicht mehr zurück – auch nicht Reisende aus Deutschland. Steuerfrei bleibt nur, was der Händler direkt an eine Adresse im Ausland versendet. In Nordirland gibt es ebenfalls keine Erstattung für EU-Bürger. In welchen Ländern Tax-Free noch funktioniert, zeigt Tax-Free-Shopping für Reisende.

Nordirland: Sonderstatus nach dem Windsor-Rahmen

Für Waren gilt in Nordirland weiterhin das EU-Mehrwertsteuerrecht; Grundlage ist das Protokoll zu Irland/Nordirland in der Fassung des Windsor-Rahmens von 2023. Praktische Folgen:

Was deutsche Unternehmen beachten müssen

Warenverkäufe nach England: Lieferungen nach Großbritannien sind in Deutschland als Ausfuhrlieferung steuerfrei, wenn der Ausgang nachgewiesen ist. Verkaufen Sie an britische Privatkunden Sendungen bis 135 £, müssen Sie die britische VAT selbst berechnen und sich bei HMRC registrieren – für nicht ansässige Unternehmen gilt die 90.000-£-Schwelle nicht. Bei Verkäufen über Marktplätze schuldet in diesen Fällen meist der Marktplatz die VAT. Über 135 £ erhebt der britische Zoll die Import-VAT beim Empfänger.

Dienstleistungen: Beratung, Software oder Lizenzen an britische Unternehmen rechnen Sie netto ab; der Kunde versteuert sie nach dem britischen Reverse-Charge-Verfahren. Auf der Rechnung steht keine deutsche Umsatzsteuer (siehe Reverse Charge und Leistungsort). Digitale Leistungen an britische Privatkunden sind ab dem ersten Pfund in Großbritannien steuerpflichtig.

Einkauf aus England: Die gezahlte Einfuhrumsatzsteuer ziehen Sie als Vorsteuer ab. Britische VAT auf Reisekosten in England erhalten Sie nicht über das EU-Vergütungsverfahren zurück, sondern nur über das britische Erstattungsverfahren für ausländische Unternehmen. Ein Überblick über die Sätze in Europa: Mehrwertsteuersätze in der EU.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in England?

Der Normalsatz der VAT beträgt 20 %. Ermäßigt sind 5 % (z. B. Haushaltsenergie) und 0 % (z. B. die meisten Lebensmittel, Bücher und Kinderkleidung). Die Sätze gelten im ganzen Vereinigten Königreich.

Bekomme ich die Mehrwertsteuer in London zurück?

Nein. Großbritannien hat das Tax-Free-Shopping für Besucher zum 1. Januar 2021 abgeschafft. Steuerfrei ist ein Kauf nur, wenn der Händler die Ware direkt ins Ausland verschickt.

Muss ich auf Bestellungen aus England deutsche Mehrwertsteuer zahlen?

Ja. Seit dem Brexit fällt auf Waren aus Großbritannien Einfuhrumsatzsteuer von 19 % bzw. 7 % an, ohne Freigrenze. Zoll entfällt meist bei Waren britischen Ursprungs.

Gehört Nordirland zur EU-Mehrwertsteuer?

Für Warenlieferungen ja: Nordirland wendet hier weiterhin EU-Recht an, Unternehmen nutzen USt-IdNrn. mit dem Präfix XI. Für Dienstleistungen gilt britisches Recht.

Quellen

  • GOV.UK / HMRC: VAT rates on different goods and services (abgerufen Oktober 2026)
  • HMRC: VAT registration threshold 90.000 £ ab 1. April 2024 (Spring Budget 2024)
  • HMRC: Changes to VAT treatment of overseas goods sold to customers from 1 January 2021
  • Windsor-Rahmen (Windsor Framework), politische Einigung EU–Vereinigtes Königreich vom 27.02.2023
  • Generalzolldirektion: Reisefreimengen bei Einreise aus Nicht-EU-Staaten
  • § 1 Abs. 1 Nr. 4 und § 6 UStG