Das Umsatzsteuergesetz im Überblick

Aktualisiert am · Lesezeit 7 Min.

Das Umsatzsteuergesetz (UStG) regelt in Deutschland, welche Umsätze der Mehrwertsteuer unterliegen, wie hoch die Steuer ist und wer sie an das Finanzamt abführt. Es gilt in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Februar 2005 und wird fast jährlich geändert. Ergänzt wird es durch die Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV), den Umsatzsteuer-Anwendungserlass (UStAE) und die EU-Mehrwertsteuersystemrichtlinie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das UStG enthält die Grundregeln, die UStDV Details etwa zu Rechnungen und Fristen, der UStAE die Auslegung durch die Finanzverwaltung.
  • Über allem steht die Mehrwertsteuersystemrichtlinie 2006/112/EG der EU – deutsches Recht muss richtlinienkonform ausgelegt werden.
  • Die meistgebrauchten Vorschriften: § 1 (steuerbare Umsätze), § 4 (Befreiungen), § 12 (Steuersätze), § 13b (Reverse Charge), § 14 (Rechnungen), § 15 (Vorsteuer), § 19 (Kleinunternehmer).
  • Den amtlichen Gesetzestext finden Sie kostenlos auf gesetze-im-internet.de; maßgeblich ist immer die Fassung, die zum Zeitpunkt des Umsatzes galt.
Inhalt
  1. Die Rechtsquellen der Umsatzsteuer im Überblick
  2. Aufbau des Umsatzsteuergesetzes
  3. Die wichtigsten Paragrafen des UStG
  4. Beispiel: Eine Rechnung durch das UStG geprüft
  5. Wo Sie den Gesetzestext finden
  6. Wie Sie mit dem Umsatzsteuergesetz arbeiten
  7. Häufige Fragen
  8. Quellen

Die Rechtsquellen der Umsatzsteuer im Überblick

Wer eine umsatzsteuerliche Frage klären will, arbeitet mit vier Ebenen. Die Rangfolge ist wichtig: Eine Verwaltungsanweisung bindet nur die Finanzämter, nicht die Gerichte.

Rangfolge von oben (EU-Recht) nach unten (Verwaltung)
RechtsquelleArtBindetWofür Sie sie brauchen
Mehrwertsteuersystemrichtlinie (MwStSystRL, 2006/112/EG)EU-RichtlinieMitgliedstaatenAuslegung, Berufung auf EU-Recht, Vergleich mit anderen EU-Ländern
MwSt-Durchführungsverordnung (EU) Nr. 282/2011EU-Verordnungalle, unmittelbarLeistungsort, Nachweise bei EU-Lieferungen (Art. 45a)
Umsatzsteuergesetz (UStG)BundesgesetzalleGrundregeln: Steuerpflicht, Sätze, Rechnungen, Vorsteuer
Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV)RechtsverordnungalleKleinbetragsrechnung, Fahrausweise, Nachweise, Dauerfristverlängerung
Umsatzsteuer-Anwendungserlass (UStAE)Verwaltungsvorschriftnur FinanzverwaltungPraxisregeln, Beispiele, Vereinfachungen
BMF-SchreibenVerwaltungsanweisungnur Finanzverwaltungneue Auslegungsfragen, z. B. zur E-Rechnung

Die Richtlinie wirkt nicht direkt gegenüber Unternehmen, sie muss in nationales Recht umgesetzt werden. Ist das UStG für Sie ungünstiger als die Richtlinie, können Sie sich aber vor Gericht unmittelbar auf die Richtlinie berufen. Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und des Bundesfinanzhofs (BFH) prägen deshalb die Praxis oft stärker als der Gesetzeswortlaut. Warum es in Deutschland zwei Begriffe für dieselbe Steuer gibt, erklärt die Seite Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer.

Aufbau des Umsatzsteuergesetzes

Das UStG folgt der Logik einer Prüfung: Zuerst wird geklärt, ob ein Umsatz überhaupt erfasst ist, dann ob er befreit ist, dann wie viel Steuer anfällt und wie sie erhoben wird.

ParagrafenThemenblockTypische Fragen
§§ 1–3gSteuergegenstand, Unternehmer, Lieferung, LeistungsortIst der Umsatz in Deutschland steuerbar? Wo wird geleistet?
§§ 4–9Steuerbefreiungen, Option zur SteuerpflichtIst der Umsatz befreit? Kann ich auf die Befreiung verzichten?
§§ 10–11BemessungsgrundlageVon welchem Betrag wird die Steuer berechnet?
§§ 12–15aSteuersätze, Entstehung, Steuerschuldner, Rechnungen, Vorsteuer7 % oder 19 %? Wann entsteht die Steuer? Was muss auf die Rechnung?
§§ 16–22Besteuerungsverfahren, Kleinunternehmer, AufzeichnungenVoranmeldung, Jahreserklärung, Ist-Versteuerung
§§ 22a–25fFiskalvertretung und SonderregelungenLandwirtschaft, Reisebüros, Differenzbesteuerung, Dreiecksgeschäft
§§ 26–29Durchführung, Bußgeld, ÜbergangsregelnAb wann gilt eine Neuregelung?

Am Ende stehen die Anlagen: Anlage 2 listet die Waren mit 7 % auf (siehe 7 % Mehrwertsteuer), die Anlagen 3 und 4 nennen Schrott und Metalle, für die Reverse Charge gilt.

Die wichtigsten Paragrafen des UStG

§ 1 UStG – steuerbare Umsätze

Steuerbar sind Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, außerdem die Einfuhr und der innergemeinschaftliche Erwerb. Was nicht steuerbar ist, fällt komplett aus dem System. Vertiefung: steuerbarer und steuerpflichtiger Umsatz.

§ 3a UStG – Ort der sonstigen Leistung

Bei Dienstleistungen an Unternehmer liegt der Leistungsort grundsätzlich dort, wo der Empfänger sitzt (§ 3a Abs. 2), bei Leistungen an Privatpersonen dort, wo der Leistende sitzt (§ 3a Abs. 1). Zahlreiche Ausnahmen betreffen Grundstücke, Veranstaltungen und digitale Leistungen. Mehr dazu im Glossar unter Leistungsort.

§ 4 UStG – Steuerbefreiungen

Der Katalog umfasst unter anderem Ausfuhren, innergemeinschaftliche Lieferungen, Heilbehandlungen, Vermietung, Finanz- und Versicherungsumsätze. Wichtig ist der Unterschied zwischen Befreiungen mit und ohne Vorsteuerabzug – siehe steuerfreie Umsätze.

§ 12 UStG – Steuersätze

Abs. 1: Regelsatz 19 %. Abs. 2: ermäßigter Satz 7 % für die Fälle der Anlage 2 und einzeln genannte Leistungen, seit 1.1.2026 auch dauerhaft für Speisen in der Gastronomie. Abs. 3: 0 % für bestimmte Photovoltaikanlagen (Nullsteuersatz).

§ 13 bis § 13b UStG – Entstehung und Steuerschuldner

§ 13 bestimmt, wann die Steuer entsteht (bei Soll-Versteuerung mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Leistung). § 13a nennt den leistenden Unternehmer als Regelschuldner, § 13b dreht die Steuerschuld in bestimmten Fällen auf den Empfänger um: Reverse Charge.

§ 14 bis § 14c UStG – Rechnungen

§ 14 Abs. 4 listet die Pflichtangaben auf Rechnungen, § 14 Abs. 1 und 2 regeln seit 2025 die E-Rechnung, § 14a Sonderfälle wie Reverse Charge, § 14b die Aufbewahrung. § 14c ist die Haftungsfalle für falsch ausgewiesene Steuer: § 14c UStG.

§ 15 und § 15a UStG – Vorsteuer

Unternehmer ziehen die ihnen in Rechnung gestellte Steuer als Vorsteuer ab, wenn eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt und die Leistung für steuerpflichtige Umsätze genutzt wird. § 15a regelt die Berichtigung bei Nutzungsänderungen. Details: Vorsteuerabzug.

§ 18 UStG – Besteuerungsverfahren

Voranmeldungen, Jahreserklärung und Fristen. Die Dauerfristverlängerung steht dagegen in den §§ 46 bis 48 UStDV.

§ 19 UStG – Kleinunternehmer

Seit 2025 sind Umsätze von Kleinunternehmern steuerfrei, wenn der Umsatz im Vorjahr 25.000 € nicht überschritten hat und im laufenden Jahr 100.000 € nicht überschreitet. Mehr: Kleinunternehmerregelung 2026.

§ 20 UStG – Ist-Versteuerung

Auf Antrag entsteht die Steuer erst bei Zahlungseingang, etwa bei einem Vorjahresumsatz bis 800.000 €.

Beispiel: Eine Rechnung durch das UStG geprüft

Eine Webdesignerin aus Köln erstellt für einen Handwerksbetrieb in Bonn eine Website für 2.000,00 € netto. So läuft die Prüfung durch das Gesetz:

  1. § 1 Abs. 1 Nr. 1, § 2: Sie ist Unternehmerin und erbringt eine sonstige Leistung gegen Entgelt – steuerbar, wenn der Ort im Inland liegt.
  2. § 3a Abs. 2: Der Empfänger ist Unternehmer mit Sitz in Bonn – Leistungsort Deutschland.
  3. § 4: Keine Befreiung einschlägig – der Umsatz ist steuerpflichtig.
  4. § 10: Bemessungsgrundlage ist das Entgelt von 2.000,00 €.
  5. § 12 Abs. 1: Regelsatz 19 % – Steuer 380,00 €, Rechnungsbetrag 2.380,00 €.
  6. § 13, § 13a: Die Steuer entsteht mit Ablauf des Monats der Fertigstellung; Schuldnerin ist die Webdesignerin.
  7. § 14: Die Rechnung muss alle Pflichtangaben enthalten; seit 2025 muss der Empfänger E-Rechnungen annehmen können.
  8. § 15: Der Handwerksbetrieb zieht 380,00 € als Vorsteuer ab.

Wäre der Kunde in Frankreich ansässig, würde die Prüfung bei Schritt 2 enden: Der Leistungsort läge in Frankreich, der französische Kunde schuldete die Steuer nach dem Reverse-Charge-Prinzip.

Wo Sie den Gesetzestext finden

Hinweis zur Aktualität: Das UStG wird fast jedes Jahr über Jahressteuer- oder Steueränderungsgesetze angepasst – zuletzt etwa durch das Jahressteuergesetz 2024 (Kleinunternehmer, Ist-Versteuerung) und das Steueränderungsgesetz 2025 (7 % auf Speisen). Prüfen Sie deshalb immer, ob eine Fundstelle aus einem Fachartikel noch dem aktuellen Stand entspricht.

Wie Sie mit dem Umsatzsteuergesetz arbeiten

Für eine kompakte Einführung ohne Paragrafen eignet sich Mehrwertsteuer einfach erklärt. Alle Grundlagenthemen finden Sie unter Mehrwertsteuer-Grundlagen.

Häufige Fragen

Was regelt das Umsatzsteuergesetz?

Das UStG regelt, welche Umsätze in Deutschland der Umsatzsteuer unterliegen, welche befreit sind, welcher Steuersatz gilt, wer die Steuer schuldet, was auf Rechnungen stehen muss und wie Unternehmer Vorsteuer abziehen und die Steuer anmelden.

Seit wann gibt es das Umsatzsteuergesetz?

Die Mehrwertsteuer in ihrer heutigen Form gilt seit dem 1. Januar 1968. Das aktuelle Gesetz beruht auf dem UStG 1980 und gilt in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. Februar 2005 mit zahlreichen späteren Änderungen.

Ist der Umsatzsteuer-Anwendungserlass verbindlich?

Er bindet nur die Finanzämter. Gerichte können anders entscheiden. Wer sich an den UStAE hält, ist gegenüber dem Finanzamt aber in der Regel auf der sicheren Seite.

Wo steht der Steuersatz von 19 % im Gesetz?

In § 12 Abs. 1 UStG. Der ermäßigte Satz von 7 % steht in § 12 Abs. 2 UStG mit der Warenliste in Anlage 2, der Nullsteuersatz in § 12 Abs. 3 UStG.

Quellen

  • Umsatzsteuergesetz (UStG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21.2.2005 (BGBl. I S. 386), mit späteren Änderungen – gesetze-im-internet.de
  • Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV) in der Fassung der Bekanntmachung vom 21.2.2005
  • Umsatzsteuer-Anwendungserlass (UStAE), konsolidierte Fassung – Bundesministerium der Finanzen
  • Richtlinie 2006/112/EG des Rates vom 28.11.2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem – EUR-Lex
  • Durchführungsverordnung (EU) Nr. 282/2011 des Rates vom 15.3.2011